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Blog von lebenundlaufen

Hier werden privat ausgerichtete Laufveranstaltungen angeboten. Eine aktuelle Ausschreibung ist für den 5. Heidschnucken-Ultra (111 km/20.05.2017) in der Rubrik "Seiten" zu finden. Angesprochen sollen sich alle fühlen, die Freude am Leben und am Laufen haben, denen Gemeinschaft und Spaß über Kilometer und Zeiten gehen.


Der hamburgische Patient - Kurtag 6

Veröffentlicht von Frank auf 31. Januar 2012, 16:30pm

Um 6.30 Uhr reiße ich das Fenster auf, zum Lüften. Brutale Kälte, tut richtig weh. Fenster zu. Erstunken ist ja bekanntlich noch keiner.

 

Sehr beliebt sind die Frühtermine anscheinend nicht. Zum Schlepperballett um 7 Uhr sind gerade mal 4 Schlepper und eine Schlepperin eingelaufen. Mich friert es, selbst im Pippi-Becken. Waren noch keine Omis drin heute. Eine halbe Stunde Bewegung mit vielen Laufübungen bringt aber die erwünschte Erwärmung.

Danach ein gemütliches Frühstück und intensive Gespräche mit den Tischnachbarn. Nur Bundesbahnoberschaffner Jörg glänzt durch Abwesenheit, hat einen Arzttermin.

 

Um 10 Uhr, der nächste Programmpunkt auf meinem Therapieplan, Belastungs-EKG.

Die Sitz-/Liegeposition auf diesem Foltergerät ist, zumal bei freiem Oberkörper, eher suboptimal, quetscht sich da doch alles zusammen, was sonst über die Bauchdecke einigermaßen badehosenmodeverträglich verteilt ist.

Leicht polnischer Akzent: "Nun ziehn sie mal nicht den Bauch so ein, sonst ersticken sie gleich."

"Jawoll, Frau Oberärztin." In Wirklichkeit, das Namensschild verrät es, ist sie Assistenzärztin.

Aus der Nachbarkabine klingt leises Stöhnen. Was macht die dort mit dem Patienten, wie sich bald rausstellt handelt es sich um Tischnachbar Ralf, Soldat und selbsternannter ehemaliger Sportabwehroffizier, was sie mit mir nicht macht?

Nicht lange und das scheinbare lustvolle Gestöhne wird durch Schmerzensschreie abgelöst. Nun übertreibt Ralf es aber.

Mit meinen Werten ist man mehr als zufrieden. "Sehr gut trainiert, Herr Polizist."

"Danke, Frau Oberarzt."

Das hab ich nun davon, kriege ein wesentlich anspruchsvolleres Ergometer-Trainingsprogramm als Ralf zugeschrieben.

Doch wohl schlauer (oder abgewichster?), die Leute vom Bund.

 

Um 11 Uhr sind Sitzfleisch und offene Ohren gefordert, Seminar Nr. 80, Psychologie des Abnehmens. Ich will eigentlich gar nicht weiter abnehmen. Oder doch, nach den Zusammenquetscherfahrungen in der EKG-Folterstube?

Die Gesamtenergiebilanz muss stimmen und Sport soll man treiben, so die Essenz der Lehrstunde. Nicht wirklich neu, aber immerhin interessant und flüssig vorgetragen. Viel besser, als die Rednerin des gestrigen Abend.

 

Zu Mittag heute Schweinesteak und der obligatorische Salatteller. Mein Nachtisch geht an den ehemaligen Sportabwehroffizier.

 

Gleich nach dem Mittagessen, Mittagsstunde ist nicht vorgesehen, Einzel-Krankengymnastik für die Wirbelsäule.

Ich mag den Wartebereich der Physiotherapie, riecht sehr lecker dort.

Punkt 13 Uhr marschiert, wie an einer Schnur aufgezogen, eine Reihe gleichgekleideter, gut ausschauender Schnuddels an mir vorbei. Welche ist wohl "meine"? Keine schlechte Wahl, die mir da getroffen wurde. Läuferin und der Meinung, dass ich vor dem Bodenturnen erst "a mal a Massasch brauche". Kein Einspruch, Euer Ehren. So bin ich für die kommenden, leichten Übungen, gut vorbereitet. Während der Übungen wird weiter über's Laufen parliert. Ich bin mir sicher, die Harzquerung in diesem Jahr, ist um eine Läuferin reicher.

30 Minuten dort vergehen leider schneller, als 30 Minuten Schlepperballett.

 

Dafür ist der Nachmittag frei von offiziellen Terminen.

Die Beine melden "Wir sind fertig!!!". Kein Wunder nach Schlepperballett und vor allem dem Belastungs-EKG.

Der Rest vom Körper will raus. Die Beine werden überstimmt, wissen gleich, was auf sie zukommt, als ihre unteren Enden in die Trailschuhe gesteckt werden.

 

Ich will gerade los, da sehe ich auf dem Tresen der Rezeption ein Riesenpaket. Ich komme näher und siehe da, da ist ein Aufkleber drauf, 464. Für mich. Von wem es ist, weiß ich, ich ahne auch den Inhalt.

 

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Und richtig, mein Lieblingskuchen, Marmorkuchen in Herzform.

 

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Genußvoll beiße ich rein. Boah, lecker, ganz weich und saftig, gerade so, wie er mir am liebsten ist. Danke, Elke!!!

 

 

So gestärkt laufe ich auf mein heutiges Ziel zu, den Oder-Stausee. Der Hinweg soll mich über den oberen Scholbenweg führen.

 

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Oben, heißt nach oben. Nach 120 Höhenmetern auf den ersten 2 km ist die letzte Müdigkeit aus den Beinen raus.

 

 

 

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Ich wundere mich schon, ob des vielen Holzes hier. Man erwartet wohl einen harten Winter.

 

Plötzlich liegen die Holzpakete nicht mehr schön am Wegesrand aufgestapelt, sondern quer und teils haushoch über die gesamte Wegesbreite. Die ersten fünf dieser künstlichen Hindernisse überwinde ich noch tapfer.

 

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Dann sehe ich diese hier, vor allem kein Ende, und beschließe prompt, nix Oder-Stausee.

 

 

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Ich erkunde stattdessen den Kirchberg, hin und her, kreuz und quer.

 

 

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Dann lockt das Schild Scholbenhöhe. Wenn schon nicht Scholbenweg, dann eben Scholbenhöhe.

Höher und höher geh es hinauf, teils durch Tiefschnee, außer Wildspuren sind meine die einzigen.

 

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Auf 570 Meter Meereshöhe stehe einige Zeit später stolz ganz oben.

 

 

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Die fantastische Aussicht kann ich nicht lange geniessen, es weht ein eisiger Wind. Minus 8 Grad C unten, 300 m höher also ca. minus 11 Grad C, dazu der Windchill-Factor, gefühlte, geschätzte - 20 Grad C. Wer stehenbleibt erfriert, das will ich nicht. Bergab muss ich richtig Gas geben, damit es mir wieder warm wird.

Pünktlich zur Kaffeestunde komme ich glücklich und zufrieden, nach 11 km in meinem temporären Zuhause an.

 

Was liegt morgen an?

07.00 Uhr:  Waldlauf 6 km

09.15 Uhr: Arzttermin

09.50 Uhr: Fango-Massage

10.55 Uhr: psychologisches Einzelgespräch

nachmittags: Muskelaufbautraining und Wackelbrett

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Kornelia 02/01/2012 16:42

Mir hat damals keiner irgendwas geschickt, es hat auch keiner angerufen und mich keiner besucht. Ich beneide Dich!
Genieße die Zeit.
Liebe Grüße
Kornelia

Frank 02/01/2012 17:00



Ach Kornelia, hätte ich Dich da schon gekannt, hätte ich Dich angerufen.



Marianne 02/01/2012 07:29

Also so einen Fitnessurlaub würde ich mir auch wünschen. Du wirst uns im Sommer wieder allen davon laufen. Schade nur, dass du die schöne Aussicht nicht länger genießen konntest, aber es ist im
Moment tatsächlich sehr kalt in Deutschland.
Dann lass dir deinen Kuchen schmecken. Herz, was willst du mehr:)
Liebe Grüße
Marianne

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