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Blog von lebenundlaufen

Hier werden privat ausgerichtete Laufveranstaltungen angeboten. Eine aktuelle Ausschreibung ist für den 5. Heidschnucken-Ultra (111 km/20.05.2017) in der Rubrik "Seiten" zu finden. Angesprochen sollen sich alle fühlen, die Freude am Leben und am Laufen haben, denen Gemeinschaft und Spaß über Kilometer und Zeiten gehen.


Eistanzen

Veröffentlicht von Elke auf 8. Februar 2014, 13:45pm

Kategorien: #Elke´s Laufbüchle (Auszüge)

So, nun muss mal Schluss sein mit dem Minimalrundengehoppel! In zwei Monaten findet schließlich der Heidschnuckenlauf statt.

Letzte Woche durften wir seit längerer Zeit mal wieder ein gemeinsames Läufle unter die Füße nehmen. Das war herrlich! Eine vergnügliche Runde in der Pfalz von Bella Bockenheim ins Zellertal und zurück. Knöchel- bis wadentiefe Matschepampe! Juhu!
Der eigentliche Anlass war die Geburt unserer ersten Enkelin. Wir gaben ihr und den jungen glücklichen Eltern die Ehre. Da so eine neu geborene kleine Familie nach den vorangegangenen Anstrengungen einiges an Schlaf nachzuholen hat, machten wir uns derweil bißle auf die Füße.

Am nächsten Morgen hoppelte ich recht früh los, besuchte im Frost "unsere" Rebe und natürlich auch die der weiteren Familie im Wengert. Dann mussten wir schon wieder zurück ins tiefwinterliche Örtle am Bächle. Die Welt retten halt.

Heute ein freier Tag zwischen den Nachtdiensten.

Da könnte ich doch...

Ein etwas risikobehaftetes Läufle. Die Karte liegt bereit. Das Notfall-Handy ist aufgeladen.
Da Frank und ich gestern am Waldrand wieder umkehren mussten ( eine geschlossene Eisfläche ziert jeden Weg ), blieb ich heute morgen noch etwas länger im Bett. Meine Hoffnung war, dass die Eisschicht zu fortgeschrittener Tagesstunde weggetaut sein könnte.

So weit die Hoffnung.

Ich entschließe mich für den 9.38Uhr-Bus nach Buchholz. So ist genügend Zeit zum ausführlichen Frühstücken ("Frühstücke wie ein König!") und Rucksack packen. Das Wetter verspricht, entgegen des Wetterberichtes ganz prima zu werden.

An den Füßen die Salomon-Schläpple, ein Hauch von geländegängigem Porsche. Am Waldrand auf dem Weg zur Bushalte fetzt es mir mal gleich die Füße weg. Das Gleichgewicht bleibt gewahrt. Immerhin ist die Serie für den heutigen Tag, dank einer kleineren Schleife, erhalten. Der Kopf denkt an Laufen, die Seele an Vorankommen. Kleiner Bergaufsprint neben dem eisgeschmückten schmalen Weg zur Bushalte - ich möchte dem Bus nicht hinterher sehen. Hätte ich mir sparen können. Rumstehen und mich begaffen lassen von unglaublich warm gekleideten Menschen. Nein, mir ist nicht kalt. Es sind lediglich -1°C, da benötigt man keine Polarausrüstung zum Laufen. Aber ich ziehe mir brav das mitgeschleppte Jäckle um, damit ich nicht auskühle.
Gute halbe Stunde Busfahrt über die Dörfer. Ich nutze sie, um etwas zu trinken, einen kleinen Riegel zu verschnabulieren.
In Buchholz ist mächtig Getümmels. Ein kleiner Wochenmarkt lockt zum Einkaufen und Schwatzen. Mich zieht es in ein Bäckereicafé. Um nicht nur Nutznießer der dringend nötigen sanitären Einrichtungen zu sein, nehme ich gleich noch ein leckeres Cappucinchen, natürlich großer Becher.

Jetzt geht es aber wirklich los!

Mich schwebt es dem H folgend regelrecht durch´s Städtle.
Im Stadtwald ist erst mal Schluss mit Schweben. Eistanzen ist angesagt. Zwei Damen mit Hündchen stehen da so rum und warnen mich "Da können sie auf keinen Fall weiter, alles ist vereist" Ich bedanke mich artig für den aufmerksamen Hinweis und hoppel weiter.
Verflixt! Es ist wirklich glatt.
Eine dicke Eisschicht. Wurzeln, Steine.
In aller Ruhe suche ich mir eine halbwegs sichere Stelle, entledige mich der leichten Schläpples. Obwohl das Profil der Sohle kernig ist und sich bereits auf rutschiger Matschepampe bestens bewährt hat, sind sie für das weitere Vorhaben suboptimal geeignet. So tausche ich sozusagen den Porsche gegen den Defender; Icebug´s, spikesbewehrt und mit Gamasche. Sieht vermutlich lustig aus, wie ich jeweils einbeinig die Schuhe wechsle.
Nun sause ich elfengleich und sicheren Fußes den Berg auf dem Eisweg hinunter. Hach, welch eine Luschd!

Vielleicht hätte ich doch nicht noch einen zusätzlichen Cappuccino gebraucht. Also ab in die jahrezeitgemäß noch unbelaubten Hecken.

Vergnügt hoppelt es mich dahin. Dankbar bin ich.
Für jeden Schritt.
Für die klasse Schuhe.
Für die behütenden Gedanken meines Liebsten, welch mich begleiten.
Und für´s Nichtverlaufen.

Ich folge dem H.
Unbeirrt.
Konzentriert.
Entspannt.

Der Hochnebel verzieht sich nach und nach.
Die Sonne bahnt sich sachte strahlend durch den Wald.
Schon ist die Kraft zu spüren. Das Frühjahr naht.
Doch
jetzt
ist der Boden noch gefroren.

Eistanz.

Steinbeck.
Dibbersen.

Ein kleines Stück ebener eisfreier Landwirtschaftsweg.
Klack, klack, klack.
Die Spikes.

Eine Kindergartengruppe begegnet mir. Die Zwerge vermummt in Schneeanzügen. Zwei Erzieherinnen nehmen es mit der Aufsichtspflicht arg genau und ausführlich das Handy zu Rate. Ein Erzieher ermutigt pädagogisch klug "Schneller!" Vermutlich meint er den kleinen Nachzügler, der selbstvergessen mit einem Stück Eis spielt.

Weiterschweben. Den Gedanken freien Lauf lassen. Was macht es aus, dieses schlichte einfache und ruhige Dahinlaufen? Was ist daran so faszinierend, dass ich jeden Tag auf´s Neue loshoppel? Ist es die Reduktion auf Wesentliches? Ist es ein darin enthaltendes Erweitern der inneren Horizonte?

Nenndorf.
An der Autobahnunterführung überholt mich ein wild und abenteuerlich aussehender Quadfahrer. Kurz danach überhole ich ihn. Er kommt auf der spiegelglatten Eisfläche nimmer weiter.

Ich hoppel so vor mich hin.

Kurz vor Langenrehm nutze ich den schützenden Wald... möchte mir anschließend das mitgeschleppte Jäckle umbinden.
Oh. Kein Jäckle.
Ach du liebe Zeit!
Um die olle Jacke wär es mir nicht schlimm. Aber in der Tasche ist der Hausschlüssel.

Da darf nicht gezaudert werden!
Sie liegt bestimmt noch am Ort meines letzten Boxenstopps. Es sei denn, jemand hat sie - in ähnlicher Absicht - gefunden und zum Fundamt gebracht.
Also laufe ich den Weg dem H folgend wieder zurück. Zum Buchholzer Stadtwald.
Halleluja. Da liegt das Jäckle samt Schlüssel.
Lachen über mich selbst.

Und weiter geht es.
Solche kleine Episoden schulen die mentale Stärke, halten den Geist wach. Ich fühle mich gut und frisch.
Die Sonne scheint.
Die Beine laufen wie von alleine. So könnte es am Karsamstag was werden.

Der Quadtyp ist weg, dafür begegne ich einem Radfahrer.
Wahnsinn!
Mit Hund an der Leine.
Als wir uns begegnen stelle ich fest, dass der Hund ein kleines Pony ist ( Schnell ein gedankliches Grüßle an Sarah und Moritz geschickt). Der superdynamische Radler grüßt, lacht und meint "Was Spikes so ausmachen. Keiner sonst unterwegs heute"

Langenrehm.

Der Radweg ist glatt, die hauchdünne Wasserschicht darauf gefroren. Also bleibe ich in den Icebug´s.

Sieversen.
Leversen.
Sottorf.
Freilichtmuseum.
Hanseweg.

Gut, dass ich die Schuhe anbehalten habe.
Ein kleines mentales Tiefdruckgebiet ereilt mich. Ich gebe mir was auf die Ohren. Zufallsgenerator im I-Pödle http://www.youtube.com/watch?v=lQdkSwVZzfk.
Wie passend!

Ich bin wieder auf Hamburger Landes- und Stadtgebiet.
Hunger meldet sich.
Nimmer weit.
Einmal die Große Straße runter.
Geschwebt.
Klack, klack, klack.
Um die Ecke. Hainholzweg rauf.
Oha! Nochmals Glatteis.
Nur noch wenige Schritte.

Vor der Haustüre stehe ich mindestens zehn Minuten. Es dauert scheinbar ewig, bis ich aufgeschlossen und die Schuhe ausgezogen habe. Die Finger sind trotz der Handschuhe steif gefroren, kaum beweglich.

War ein nettes Läufle.
Bißle länger als gedacht. Der einfache Weg von Buchholz beträgt etwa 25 Kilometerle.
Eistanz. Kopftanz.
Und nicht verlaufen!!!!! Das zählt!
Ein PS für die Zahlenfans.
Der Chefkilometerübersichtsbewahrende des weißen Häusles meint: Da kannste gute 43 Kilometer aufschreiben. In fünfeinhalb Stunden. Einschließlich Kaffeepausen und Sonstigem.
Schwieriges Gelände.
Ich gebe zu: das begeistert nun auch mich. Untrainiert und willensstark.
Nun schalte ich aber ganz fix den Angebermodus aus. Aber breit grinsend.

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Elke 02/11/2014 20:20

Hallo liebe Sarah,

danke für Deine guten Wünsche. Ja, uns geht es prima.
Heute sind wir ein kleines Stück auf dem Heidschnuckenweg unterwegs gewesen. Eine herrliche Strecke!
Wir freuen uns sehr mit Dir; nun bist Du eine Pferdeläuferin, Läuferin mit Pferd, laufende Pferdebesitzerin.... ach Du bist Du!

Liebe Grüße aus dem wilden Süden Hamburgs
Elke und Frank

Sarah 02/10/2014 07:20

"Schnell ein gedankliches Grüßle an Sarah und Moritz geschickt."

Liebe Elke,
es freut uns, dass du an uns denkst. Uns geht es gut und seit dem Sommer gehört Moritz endlich wirklich mir. Laufen tun wir auch noch ;)
Ich wünsche dir noch eine gute weitere Vorbereitung für den Heidschnuckenlauf und einen schönen Lauf!
Liebe Grüße an euch beide,
Sarah

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