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Blog von lebenundlaufen

Hier werden privat ausgerichtete Laufveranstaltungen angeboten. Aus Termingründen haben wir zur Zeit noch keine aktuellen Planungen für 2018 in Arbeit. Besonders nach dem Termin für den 6. Heidschnucken-Ultra wird immer wieder nachgefragt. Dieser muss mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2018 erntfallen, wir hoffen 2019 diesen wieder anbieten zu können.


Ships that pass in the night

Veröffentlicht von Frank auf 28. Oktober 2011, 08:52am

Kategorien: #Wandertouren

http://img412.imageshack.us/img412/9107/dscn0031l.jpg

 

Heike schaut mich nicht mal verwundert an, als ich Ihr sage, dass ich gegen 1 Uhr zu einer Nachtwanderung aufbrechen will. Gesagt gestern, geplant für heute. Aber ebenfalls gestern, wird mir bewußt, dass, liege ich erstmal in den warmen und weichen Federn, die Motivation das zu tun, gegen Null tendieren wird. Also schnell alle Sachen in den Rucksack geschmissen, eine Kanne Kaffee gekocht und los gehts. Um 21.10 Uhr bin ich auf der Piste.

 

Warum tu ich das?

 

Früher musste ich nachts arbeiten. Viele Seewachen unter tropischen Sternenhimmel, liessen viel Zeit für Gedanken.Nur ganz selten mal ein anderes Fahrzeug. "Ships that pass in the night."

Von den nächtlichen Hafenwachen, blieb mir die eine, an einer alten Tankerpier in New York besonders in Erinnerung. Die Skyline von Manhatten, damals noch durch das WTC bestimmt, die Freiheitsstatue,unter Seeleuten liebevoll, respektlos "Grünspan-Elli" genannt und der sternenklare Himmel voller Flugzeuge. So eine Flugzeugdichte hatte ich vorher noch nie gesehen. Da mussten irgendwo Menschen ganz konzentriert arbeiten, damit es zu keinen Kollisionen kam.

Das Kontrastprogramm als Steuermann auf Kleiner Fahrt, alle drei Tage Antwerpen - Schottland und zurück. Meistens bei pottendicken Nebel oder Sturm. Einzige Begleiter während der 7-stündigen Nachtwachen waren Herr Koffein und Frau Nikotin, dazu der Grenzwellenempfänger, der leicht schrappig das Nachtprogramm der ARD dudelte. Ja, damals war der WDR noch mein Haussender.

 

Im neuen Beruf einige Nächte für die Sicherheit Hamburgs und seiner Bewohner um die Ohren geschlagen. Einige davon sogar erfolgreich.

Irgendwann, so vor etwa 12 Jahren, dann die Entscheidung für einen Tagesschichtdienst, nachts muss nicht sein.

 

Und seitdem wird nachts eben geschlafen oder gefeiert.

 

Heute vor einer Woche durfte ich eine liebe Lauffreundin auf ihrem Lauf von Hamburg nach Bremen über 161 km als Radbegleiter, durch zwei Nächte hindurch unterstützen.

Da hab ich erstmal wieder gesehen, wie schön so eine Nacht sein kann. Wir hatten aber auch Glück. Frostige, sternenklare Nächte, Sternschnuppen und angenehme Gespräche liessen jeden Gedanken an Müdigkeit für lange Zeit vergessen.

Dazu der Wald im Dunklen, "mein Wald", den ich sehr gut kenne, der im Dunklen aber so anders, so fremd wirkte.

 

Wahrscheinlich, so meine Motivation, wollte ich mir diese Stimmung zurückholen.

In Ansätzen hat es auch geklappt. Nur wenige Sterne waren zu sehen, keine Sternschnuppen. Keine tiefgehenden Gespräche, eben "Ships that passed in the night".

Dafür hatte die Dunkelheit des Waldes durchaus noch seine Magie. Auf dem Hinweg noch vor Mitternacht war da echt noch Halligalli. Ein Wildschwein und zwei Rehe, Begegnungen der tierischen Art, dazu das Rauschen der Baumwipfel im frischen Ostwind.

 

Ich merke, dass ich den Spuren des vergangenen Wochenendes folge. Warum auch nicht? Ist eine schöne Strecke, auch wenn ich nicht viel von ihr sehe. Aber ich weiß es ja.

 

Nach 21,2 km entscheide ich mich umzukehren, obwohl ich noch gerne weitergegangen wäre. Aber aufkommende Müdigkeit der Beinmuskeln und die Angst, meine noch nicht wieder gesunden Knochen eventuell zu überlasten, lassen mich mal wieder so vernünftig sein, wie ich es eigentlich gar nicht bin. Schließlich will ich irgendwann, möglichst in naher Zukunft, auch mal wieder laufen.

 

Kaum mehr Verkehr auf den Straßen, nur noch wenige Lichter in den Häusern der kleinen Ortschaften. Straßenbeleuchtung ist wegen der Finanzmisere der öffentlichen Hand in den niedersächsischen Orten schon lange abgeschaltet.

Der Wald geisterhaft still. Kein Reh, kein Wildschwein, der Wind ist eingeschlafen. Gerne hätte ich meine Stirnlampe abgeschaltet, um die Stimmung aufzunehmen.

Irgendwann kommen die ersten Lichter Hamburgs in Sicht. Nur noch 2 km und dann bin ich nach genau 7,5 Stunden wieder daheim.

 

Eine tiefe Genugtuung macht sich in mir breit. Ja, ich kann es noch. Kopf und Körper können die Distanz eines Marathons noch bewältigen.

Mit diesem Wissen kann ich also morgen mein verflixtes 48. Lebensjahr in den Ruhestand schicken, übrigens in Anwesenheit zweier Lauffreunde.

 

Nächtliche Grüße

Frank

 

 

 

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laufmauselke 11/12/2011 20:50


Das gefällt mir. Du bist wieder am experimentieren, und Du gibst (Dich) nicht auf. Die Aktion finde ich auch toll. Und schön finde ich auch, das wir über Deine Aktivitäten jetzt hier lesen
dürfen.
Schön, dass Du den Marthon bewältigt hast. Aber dies in der Nacht zu tun, das kannst nur Du. :-)
Ich hätte da wohl auch Angst. Aber ich bin ja auch ein Mädel.:-)
Liebe Grüße
Elke


Frank 11/15/2011 13:50



Experementieren, liebe Laufmaus, tu ich für mein Leben gern. Geht allerdings auch dann und wann ganz ordentlich nach hinten los, der Schuß.


Aktive Grüße



Kornelia 10/29/2011 17:11


Jetzt wanderst Du sogar schon in der Nacht! Du machst Sachen. Naja, wenn es Dir Spaß macht. Ich schlafe nachts lieber und stehe aber gerne früh auf, um zu laufen. Herzlichen Glückwunsch zum
Geburtstag!
Liebe Grüße
Kornelia


Frank 10/30/2011 09:28



Danke, liebe Kornelia.


Frank



Marianne 10/29/2011 09:51


Na ein bisschen verrückt ist das schon, aber ich kann schon verstehen, dass du da letzte Wochenende noch mal "etwas reaktivieren" wolltest. Ich hätte mich so eine Wanderung durch die Nacht
jedenfalls nicht allein getraut - aber bin eben ein Mädchen!
Auch von mir/von uns viel Spass beim Abschiednehmen!


Frank 10/29/2011 12:16



Danke, Marianne und Uwe. Eure vielfachen Grüße sind angekommen.


Viele Grüße


Frank



Heike 10/28/2011 19:15


"... 48. Lebensjahr in den Ruhestand schicken..."


Rechne lieber noch mal nach!


Frank 10/29/2011 12:15



Oh, shit!!!



Susanne Bücher 10/28/2011 14:01


Hallo Frank,

na dann viel Spaß beim verabschieden.

Lieben Gruß

Susanne

PS: Wir freuen uns


Frank 10/29/2011 12:14



See you, Susanne.



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