Wetter. Ordentlich Wetter.
Eine kräftige Brise treibt die schweren dunklen Wolken vor sich her.
Der Rucksack ist gepackt: eine lange Trainingshose ( jawoll, ich hab so was! ), das berühmte grüne Salomonjäckle, Ersatzhandschuhe, das rasend spannende Buch von Daniel Kahnemann "Thinking, fast and slow", Kleingeld und bißle was, das Übliche, Pharmazeutisches.
Aus nachvollziehbaren Gründen versagt mir Frank die Mitnahme der neuen Kamera. Schließlich führt der Weg nach Wedel.
Mit guten Wünschen bedacht faulenze ich erst mal in Bus und S-Bahn umeinander. "Endstation Wedel. Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen. Die Hamburger Bahn sagt Tschüß bis zum nächsten Mal"
Also gut. Nochmal fix die Bedürfnisanstalt aufgesucht.
Den Blick in die Karte spare ich mir; ist eh verwirrend. Die Sonne hat sich Bahn geschaffen und ich folge ihr.
Meine erste Richtung ist Süden mit Ziel nördlicher Elbstrand. Vorbei am Barlach-Museum tragen mich die sensationellen Beinchen zum Willkommhöft.
Nun lautet meine Laufrichtung Osten, das Bächle sollte stets steuerbords sein, dann wäre ein Verlaufen so gut wie ausgeschlossen.
Hahaha! Ich beweise, dass auch dies sehr gut möglich ist, indem ich die "Kraftwerkumrundung" ( Elbweg gesperrt ) gründlicher als nötig ausdehne. Aber, oh Wunder!, mit der Richtung zurechtkomme und so wieder auf dem rechten Weg bin.
Nur, dass dieser plötzlich Elbhöhenweg heißt.
Dieses herrliche Winterwetter nutzen heute sehr! viele Menschen. Warm eingemummelt genießen sie ihre Schritte. Nicht wenige haben ein Fernglas dabei.
An einer besonders schönen Stelle hinter dem Kraftwerk bleibe ich stehen und genieße diesen traumhaften Blick, diesen kostbaren Moment.
Die Elbe glitzert in der Sonne.
Die Ufer sind schon zugefroren.
Wasservögel machen es sich zu einem Schwätzle auf dem Eis gemütlich.
Die Fahrrinne ist gut auszumachen.
Ein Blick elbabwärts: Da nähert sich ein riesiger, dicker Pott.
In die Gegenrichtung blickend, also in Richtung Meer fahrend, scheinen sich einige Tankschiffe aneinander zu reihen.
Und mittendrin zieht lautlos und elegant ein Segler mit aufgezogenem Großsegel und Fock dahin.
Doch mein Plänle lautet nicht Schiffleböötle gucken, sondern laufen.
Ich schaue mir das enorm große Containerschiff nochmals an. Es bewegt sich in derselben Richtung wie ich.
Hmhmhm...
Nun denn.
Der Wettlauf ist eröffnet.
Es läuft mich leicht und weich dahin.
Schnee, festgetreten.
Spazierwege, teilweise vereist und ruppig.
Sandstrand mit Schnee.
Waldwege.
Das Wasser bleibt steuerbord. Ich bin also auf dem richtigen Weg.
Ein grollendes Vibrieren. Schnell und steil startet eine Beluga am Werksflughafen von Airbus.
Die Luft vibriert.
Auch vom herannahenden Containerschiff.
Hackengas von Teufelsbrück bis zur Lotsenstation.
Ich liebe ihn. Diesen Blick auf den Hafen. Der Duft des Wassers. Das emsige Getöse und Gewoge.
Fritz Schumacher beschreibt dies in seinen "Stufen des Lebens": " Wenn dann zwischen den Schiffen einzelne Lichter auffflammten, die einfallende Dämmerung alle Dissonanzen aufzulösen begann und das Ganze mehr und mehr zu zu einem atmenden technischen Wunderwesen zusammenwuchs, wachte der Wunsch mächtig in mir auf, in dieses unbestimmt wogende Gebilde eine feste Masse hineinsetzen zu dürfen, die wie ein unerschütterlicher Wächter darin aufragte."
Ein Schlepper hängt am losen Tau des Riesenpottes.
Beeindruckend!
An der Einfahrt zum Köhlfleet verabschiede ich mich von dem Schiffleböötle.
Noch mehr beeindruckt mich das mit einer 180°-Drehung-Anlegen am Kai. Welche Präzision! Welches Können!
Ich lauf weiter.
Eistanzlaufen übern Fischmarkt.
Die Sonne hat sich verzogen und der nun wirklich eisige Wind pfeift mir um die Waden.
Landungsbrücken.
Zickzackgehoppel um Touristen.
An einer roten Ampel ziehe ich mir die Ärmel wieder runter, um nicht auszukühlen.
Feierabendverkehr in einer Millionenstadt.
Die U-Bahn donnert über mir hinweg.
Ich könnte einsteigen.
Könnte.
Laufe weiter.
An der Hasenmanufaktur den Berg hinauf zum Michel.
Dann hat mich der Großstadtverkehr wieder eingeholt. Im Gebrause, Gestinke, Gelärme werden meine Schritte merklich schwerer.
Weiter.
Bis zum Hauptbahnhof ist es nimmer weit. Auf dem Stadtplan schaut es ganz nah aus.
Das Laufen in der Innenstadt ist für mich der Horror. Dennoch nehme ich solche kleine und geschenkte Möglichkeiten an und ordne diese unter Mentaltrainig ein.
Die rappeldickvolle S-Bahn bietet nicht die Gefahr zum Umfallen.
In Harburg steige ich am Bahnhof aus und genieße die letzten KIlometerle in Vorfreude auf ein kräftiges Umärmerli und ein ebensolches Essen.
Am nördlichen Elbufer
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