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Blog von lebenundlaufen

Hier werden privat ausgerichtete Laufveranstaltungen angeboten. Aus Termingründen haben wir zur Zeit noch keine aktuellen Planungen für 2018 in Arbeit. Besonders nach dem Termin für den 6. Heidschnucken-Ultra wird immer wieder nachgefragt. Dieser muss mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2018 erntfallen, wir hoffen 2019 diesen wieder anbieten zu können.


Fehnhelden-Ultra 2015; Laufbericht von Hermann Riebesell

Veröffentlicht von Hermann Riebesell auf 3. November 2015, 15:01pm

Kategorien: #eigene Laufveranstaltungen (Archiv)

18 Einzelstarter und drei Staffeln machten sich am Freitag, den 25.09.2015 um 18 Uhr bei 18° Grad auf den Weg, läuferisch Ostfriesland zu erkunden. Der Start in Idafehn wurde angetrommelt von Horst Zschimbang, einem 92-jährigen ehemaligen DDR-Vizemarathonmeister. Gesponsert wurde der Lauf vom Sonnenhaus Idafehn.
Ich hatte mir vorgenommen, nicht schneller als 6 min/km zu laufen, was mir in der Vorbereitungszeit fast gar nicht gelingen wollte. So bildet sich sofort nach dem Start ein Führungsquartett aus Tino aus Dehlingsdorf, Tobias aus Rheine, Johann der Einheimische und mir. Das Anfangstempo ist flott, eigentlich zu flott. Tobias und Johann sind Ultra-Neulinge, einer davon halb so alt wie ich. Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dieses Tempo weiterzulaufen. 

Fehnhelden-Ultra 2015; Laufbericht von Hermann Riebesell

So laufen wir in die Nacht hinein und bei 30 km muss Tino gesundheitsbedingt das Rennen abbrechen. Regelmäßig steht mein Begleiter an der Strecke und feuert uns an. Johann mit der Radbegleitung zieht davon und so laufe ich mit dem übrig gebliebenen Tobias durch die immer kälter werdende Dunkelheit. Später wird mir vom Veranstalter mitgeteilt, dass eben dieser nach einer Pinkelpause umgeknickt sei und das Rennen ebenfalls frühzeitig beenden musste. Gute Besserung Tobias! Die Temperaturen werden einstellig und ich ziehe einen Laufpullover über, muss den Trinkrucksack neu justieren und erreiche Remels bei km 48 und laut meinem Roadbook ist nun der Zeitpunkt gekommen, das Handy herauszuholen und meiner Frau eine gute Nacht zu wünschen. Wie verabredet!

Bereits an der ersten Kreuzung des Ortes habe ich die Route verloren. Der Ort schläft bereits, ich fluche und ärgere mich über meine Unaufmerksamkeit. Denn vor jeder Abbiegung ist das typische Fehnrouten-Schild angebracht und ich habe es nicht gesehen. Also hundert Meter wieder zurück und dann ist es doch ganz einfach. Diesmal noch… Bis km 64 folgt eine 15km lange gerade Strecke, an der ich nichts falsch machen kann. So kann ich mal abschalten und einfach nur laufen bis ich dann nach Wiesmoor komme. Hier habe ich mir vorgenommen, ganz genau auf die Schilder zu achten, da die Route durch Wohngebiete führte. Ich befinde mich auf einmal auf einem Parkplatz, links die Feuerwehr, ein Stadion, vor mir die Hauptstraße, aber kein Hinweis auf die Fehnroute. Ich laufe einen Kilometer nach Westen, dann wieder zurück, der Frust kam, soll ich aufgeben? Hätte ich im Vorwege die Karte besser studieren müssen? Ich rufe meinen Begleiter an. Wo bin ich eigentlich? Fast 30 Minuten brauchen wir, bis wir uns wiederfinden. Mittlerweile sind es nur noch 5 Grad und mein zusätzlicher Laufpullover war viel zu dünn. Auf dem Parkplatz im Auto wärme ich mich auf, ziehe einen Fleecepullover über und schlottere bei 25 Grad Innentemperatur. Noch schnell die Laufhandschuhe aus der Tasche holen und zu spät bemerken, dass meine Leuchtweste unter dem Pullover ist, egal. Km 70, über Ostgroßefehn und Mittegroßefehn auf nach Timmel bei Kilometer 80. Hier soll der einzige Verpflegungsposten der Strecke sein. In einem Zelt und einem LKW mit Schlafmöglichkeiten auf Pritschen. Sieht ziemlich verlockend aus. Irgendwie sind die Orte hier zwar klein, aber unbeschreiblich lang. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor. Es ist halb drei in der Nacht und ich erreiche den VP Timmel nach 80 Kilometern und esse einen Teller Haferschleim. Widerliche Bezeichnung, bei uns hieß das immer Porridge. 

Fehnhelden-Ultra 2015; Laufbericht von Hermann Riebesell

Vom Veranstalter bekomme ich den Hinweis, dass ich führender Einzelstarter bin. Wo ist der Ostfriese mit dem jungen Radbegleiter geblieben? Hinter Timmel muss ich rechts abbiegen, um nicht die unerlaubte kürzere Alternativ-Route zu erwischen. Keine zwei Minuten später taucht mein Begleiter hinter mir auf und fährt neben mir im Schritttempo. Ostfriesland schläft, kein Verkehr und wir unterhalten uns. Ich fühle mich gut, die erste Hälfte ist überstanden und in vier Stunden geht die Sonne auf. Doch bevor die Muskeln sich melden, möchte ich doch gerne den Körper stärken. Mein Handy wird im Auto aufgeladen, Navi und Uhr lade ich selber auf. Mein Begleiter bereitet mir eine Mg-Mische zu, dazu muss er anhalten und ich laufe derweil weiter, um nach ca. 50 Metern der Route folgend links abzubiegen. Nun folgen die dramatischsten Stunden des Laufes. Entweder bin ich falsch abgebogen oder mein Begleiter hat die Abbiegung verfehlt. Ständig blicke ich mich um. Wie lange dauert es, eine Magnesiumtablette in einen Wasserbecher zu werfen? Ich laufe weiter, komme an eine Kreuzung, überquere diese, folge dem Fehnrouten-Schild, mein Navi spielt verrückt. Nach 92 Kilometern komme ich nach Wersingsfehn, bin wieder in der Spur. Nur meine zuverlässige 2 Euro 99 Lidl-Lauflampe leuchtet mir den Weg. Zum Glück habe ich in Timmel meinen Trinkrucksack gefüllt. Ich habe also noch mindestens einen Liter Wasser vorrätig. Es ist kalt, werde also auch nicht viel trinken in nächster Zeit. Bei km 100 überquere ich eine Schnellstraße, komme nach Holtland und tunnel die A28. Mittlerweile habe ich fast drei Stunden nichts mehr von meinem Begleiter gehört oder gesehen. Ich mache mir Vorwürfe. Mein Telefon ist in seinem Auto. Warum war ich nur so blöd, und habe das Telefon nicht bei mir? Gibt es Wölfe in Ostfriesland, wilde Hasen oder aggressives Wild. Ich mache eine kurze Pause und beruhige mich erstmal. Zum Glück habe ich noch eine Ersatzkarte dabei. Noch knapp fünf Kilometer bis Logabirum, dann kommt wieder Zivilisation in Leer. Dazwischen in Loga überquere ich die B436 und plötzlich höre ich jemanden meinen Namen rufen. Es ist die Schwester des Veranstalters, die sich mit einer Crew auf den Weg gemacht hat, um mich zu suchen. Ich erkläre denen, dass ich gar nicht weg war, sondern immer brav auf der Fehnroute. Telefonisch macht sie einen Punkt mit meinem Begleiter aus, wo wir dann endlich wieder zusammen kommen können. Ich fülle meinen Trinkrucksack und mache mich nach einer 20 minütigen Pause wieder auf und laufe zur Eisenbahnbrücke in Leer, wo die Crew und mein Begleiter auf mich warten sollen. An der Brücke angekommen, merke ich, dass hier kein Auto parken kann. Auch hier wird gebuddelt und gebaut. Also weiter, bevor die morgendliche feuchte Kälte durch meine Klamotten kriecht. Vor dem Start teilte man uns mit, in Leer den rechten Weg der Gabelung einzuschlagen, sonst gelangt man an einen Fähranleger, höchstwahrscheinlich ohne Fähre. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen und ich laufe durch die Innenstadt von Leer. Überall riecht es nach frischen Brötchen. Aufmerksam halte ich nach den Schildern Ausschau. Diese Zickzack-Strecke endet am Ufer der Leda, einem Arm der Ems. In einer lang gezogenen Linkskurve entdecke ich endlich meinen Begleiter, den ich fast vor Freude geknutscht hätte. Ich stürze die Mg-Mische und anschließend mein Chia-Gebräu auf Ex herunter. Nach völligem Verlust der Orientierung soll ich nun über eine Eisenbahnbrücke den Fluss überqueren. Dies ist für mich total unlogisch. Die Karte, die ich im Kopf habe, sieht ganz anders aus. Also laufe ich wie angeordnet über diesen Fluss und anschließend 20 Kilometer am Deich der Ems. Eine schier unendliche Strecke zwischen Kilometer 120 und 140. Gelegentlich steht mein Begleiter am Deich und reicht mir leckere Sachen, gelegentlich werde ich von Schafen angefeuert. Mittlerweile habe ich meine Taktik geändert. Die Knie fangen an zu schmerzen und die Fußsohlen brennen. Deswegen entscheide ich, im Wechsel zwei km zu laufen und 100 m zu gehen. Jedenfalls so ungefähr. Mittlerweile ist es recht warm geworden und ich knote mir meinen roten Pullover um die Hüfte. Meine Leuchtweste wird wieder sichtbar. Nach einer gefühlten Unendlichkeit werden die Werftanlagen von Papenburg sichtbar und die Strecke führt in die Innenstadt durch die Fußgängerzone. Nach einem Schuhwechsel laufe ich an wunderschönen Kanälen entlang. Ich werde angefeuert und ignoriert, beides ist mir Recht. Papenburg ist wohl die längste Stadt der Welt. Zumindest an diesem Samstag, den 26.September 2015. Bei km 145 verlasse ich dann diesen Ort und wechsel erneut das Schuhwerk. Nun muss ich nicht mehr konzentriert auf Schilder achten, ich weiß, wo es lang geht und ich habe den besten Begleiter der Welt an meiner Seite, dem ich jetzt verboten habe, mit mir zu sprechen. Eine gewisse Aggression kann ich zu diesem Punkt nicht mehr unterdrücken und ich entschuldige mich bei meinem Begleiter fortwährend für meine Launen. Er nimmt’s zum Glück mit Humor.

In Ostrhauderfehn, drei Kilometer vor dem Ziel, ruft mein Begleiter wie verabredet den Veranstalter an, um meine Zielankunft anzukündigen. Wird dies versäumt, dann gibt es kein Zielfoto. Das wäre schon schade. Da läuft man 100 Meilen und keiner kriegt es mit.
Ich schicke meinen Begleiter voraus, damit auch er ein paar Videoaufnahmen macht. Somit bin ich nochmal für die letzten Kilometer ganz alleine und…
verlaufe mich doch glatt zwei Kilometer vor dem Ziel und verplempere noch mindestens 15 Minuten. Vor dem Lauf hatte ich drei Ziele. Ich wollte ankommen. Ich wollte unter 20 Stunden bleiben. Ich wollte gewinnen. Die letzten beiden Ziele behielt ich aber für mich, denn 100 Meilen ist ein ganz schöner Kanten.
Ich habe den 2. Fehnhelden-Ultra gewonnen, den Streckenrekord um 5 Stunden unterboten und über 4 Stunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Meine Laufuhr habe ich bei 170 km gestoppt, bin also doch einige Extrakilometer gelaufen.
Mein besonderer Dank gilt dem Veranstalter, den Unterstützern und Helfern an der Strecke, dem Sonnenhaus Idafehn und dem besten Begleiter der Welt.

 

Fehnhelden-Ultra 2015; Laufbericht von Hermann Riebesell

PS

Bis zum 7.05.2016 in Soltau zum Start des 4. Heidschnucken-Ultras. Dann wird’s richtig spannend. Ich starte um 7 Uhr zusammen mit Torben. Er will seinen Titel verteidigen, ich meinen zurückholen.

Es kommt wie es kommt…

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T
Toller Bericht Hermann! Sich bei Ultras zu verlaufen und unnötige Extrakilometer zu sammeln, kenne ich sehr gut und kann den Ärger und die Unsicherheit nachvollziehen. Bleib gesund, vielleicht sehen wir uns in der Heide. Viele Grüße Tino
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