Montag, der letzte Montag.
Mittlerweile geht mir langsam auf, was ich, als kurunerfahrener Neuling alles falsch gemacht habe, mit dem Ergebnis, keine Kurverlängerung zu bekommen. Warum gibt es keine Literatur, wie "Ihre erste Kur leicht gemacht.", "Dein Kurarzt und du" oder "Ohne Mühe zur Kurverlängerung". Ich denk mal drüber nach, schreibe vielleicht morgen mehr darüber.
Heute soll mein eigentliches Thema aber das Zeitmanagement sein. Über die Pünktlichkeit habe ich in der Kurwoche 2 bereits berichtet. Zum Zeitmanagement gehört aber auch die Unpünktlichkeit. Kein großes Thema, weder bei den Anwendungen, noch bei den Kuratoren und Kuratorinnen.
Positives Beispiel ist da "meine" Laufgruppe "Gemütlich", die schon um fünf vor Sieben heute morgen vollständig angetreten ist. Wir laufen zum Oder-Stausee, nicht ganz unfallfrei. Mich reisst es auf einer Eisplatte aus der Vertikalen, in die Horizontale. Auf der Rücktour setz ich mich gleich hin und rodele die Passage auf dem Hosenboden runter. Schnell war ich, jedenfalls beim Rodeln.
So kommen 10,6 gemütliche Kilometer zusammen. Der Rest der Gestalten, immerhin weitere drei haben Mitleid mit Aufpasser Niels und schleichen mit ihm die 6 km-Runde. Niels´ Abschiedsrunde, wie er stolz erzählt, ab Mittwoch übernimmt Schnuddel Steffi die Laufgruppen. Ich wette, die Teilnehmerzeit wird drastisch nach oben schnellen und Gruppe "Gemütlich" mal keine Alleingänge unternehmen.
Zurück zum Thema Unpünktlichkeit, wie bereits gesagt, eigentlich kein Thema,........wären da nicht diese Seminare.
In schöner Beständigkeit wiederholt sich folgendes Schauspiel. Das Seminar beginnt pünktlich. Die Saaltüre ist geschlossen. Der Referent/die Referentin ist bei der Begrüßung. Die Tür geht auf, Typ "Diensttrainingsanzugsträger", die Hände in den Hosentaschen, kommt rein, setzt sich ohne den Referentengruß zu erwidern, natürlich in die vorletzte Reihe, dort wo nur noch ein Platz, ganz außen, frei ist. Genauso natürlich müssen dafür zehn andere Zuhörer aufstehen. (Die ersten drei Reihen sind unbesetzt.)
Das ganze wiederholt sich im Minutenabstand, der Referent/die Referentin hat mittlerweile die ersten fünf Sätze des Vortrages geschafft, dann endlich ist der letzte Diensttrainingsanzugträger erschienen.
Wer aber glaubt, es wäre jetzt geschafft, der irrt.
Keine Minute später geht die Tür wieder auf und Typ "Oberamtsrat" kommt rein, grüßt höflich, stellt sich vor den Referenten/die Referentin, um in aller Ruhe, den für ihn bestgeeigneten Platz zu suchen. Den findet er dann todsicher in der ersten Reihe, macht aber vorher noch das auf Kipp stehende Fenster zu, weil er sonst friert. Der Typ "Oberamtsrat" ist übrigens der, mit dem man auch beim Büffet immer viel Freude hat. Er steht davor, mit Glanz in den Augen und murmelt ständig vor sich hin, "Wie unhygienisch, wie unhygienisch." Wahrscheinlich war der früher bei der Lebensmittelkontrolle.
Der Referent/die Referentin setzt gerade an, um den letzten, den fünften Satz zu wiederholen und....die Türe geht wieder auf. Männlich, ca. 70 Jahre alt, graumeliertes Haar, eine Tolle und immer ganz in weiß gekleidet, wie ein Oberarzt. An der Verkleidung fehlen nur die 4 Kugelscheiber in der Hemdbrusttasche und das Stethoskop am Halse. Ach ja, Goldkettchen trägt er auch, am Hals und am rechten Unterarm. Er stellt sich direkt zwischen Zuhörerschaft und Referent/Referentin. Suche nach dem geeigneten Sitzplatz. Und der ist immer neben einer Frau, der Frau mit der größten Oberweite. Tisch 3 - intern heißt dieser Typ "der Hobbygynäkologe".
Die nächsten 10 Minuten vergehen relativ ungestört, mal abgesehen davon, dass der Referent/die Referentin, kurz vor dem Ersticken, das Fenster wieder auf Kipp stellt, worauf der "Oberamtsrat" heftig zu frieren beginnt und vehement für ein Schliessen desselben plädiert.
Es könnte dann auch noch passieren, dass die drei "Muselmanen", geschlossen immerhin, nicht einzeln, den Raum betreten und, weil sie keine Gebetsteppiche ausliegen sehen, auch gleich wieder verlassen.
Wir befinden uns nun in etwa Minute 20 des Seminars, also 10 Minuten, bevor das nächste Seminar beginnt. Die Türe öffnet sich ab diesem Moment etwa alle halbe Minute. Es erscheinen die ersten Teilnehmer des folgenden Seminares, alle vom Typ "Überpünktlich, ich könnt ja was verpassen". Einige, die weniger Selbstbewußten, lassen sich vom Referenten/von der Referentin wieder hinauskomplemetieren, die anderen, die Selbstbewußten, suchen sich ein freies Plätzchen, unglücklich darüber, dass ihr Stammplatz in der drittletzten Reihe schon fremdbesetzt ist. Wetten, die kommen beim nächstenmal noch mal fünf Minuten früher?
Referenten-/Referentinnenlos eben.
Mein Kurtag verläuft plangemäß, nur mein Termin bei Schnuddel Steffi wird von einem anderen Schnuddel wahrgenommen. Hat es Steffi, s. Kurbericht von gestern, doch heftiger erwischt.
Das Seminar heute Abend werde ich schwänzen,....oder zu spät kommen,....im Diensttrainingsanzug. Ihr wisst jetzt warum.
Für morgen:
07.00 Uhr: Schlepperballett
09.00 Uhr: Melisse-Vollbad (hab ich aber nach den Vorerfahrungen abgesagt)
13.00 Uhr: Pezziballgymnastik
14.00 Uhr: Abschlußuntersuchung
15.00 Uhr: Fango-Massage