Die ganze Nacht über pfeift der Wind ums Haus. Der Rolladenkasten klappert. Regen wird an die Scheiben gepeitscht. Die Laternen zaubern ein interessantes Schattenspiel der Straßenrandbepflanzung an die Wand.
Es ist gemütlich im warmen Bett und ich murmel noch eine Weile weg ins Reich der Träume.
Einen Cappuccino genießen, in´s Laufzeugs schlüpfen, telefonieren.
Gleich beim ersten Schritt aus dem Haus in den Hof schlägt mir der Wind die Tür aus der Hand, des Mitbewohner´s Leergutsäcke sind künstlerisch verteilt. Vor dem Haus begrüßen mich zerbrochene Dachziegel.
Der Wald: heute absolut tabu. Der Bruch der letzten Tage war noch nicht beseitigt worden und bei Sturm ist es in der Tat höchst leichtfertig und jeglicher Verantwortung entbehrend sich hier aufzuhalten.
So tragen mich meine sensationellen Beinchen windbeschwingt - und erst mal brav in die vereinbarte Ums-Dorf-Runde, nebenbei bemerkt: erst mal -.
Bereits an der Bahnhofsbrücke zieht es mich hinaus auf´s freie Feld. An den Römerausgrabungen ergibt sich eine sichere Möglichkeit. Auch die kleine "Streakerhaltungsrunde" durch die Erdekaut dürfte heute nicht so ganz gefahrlos sein.
Über die Felder laufe ich auf überfluteten Wirtschaftswegen. Über die "Hohl" hoppel ich dem Wind entgegen den Hügel hinauf.
Der Regen prickelt auf der Haut. Herrlich!
Kein Mensch, kein Tier begegnet mir zwischen den Dörfern. Oben an den Windrädern lässt es sich nicht mit Bestimmtheit ausmachen, aus welcher Richtung der Wind eigentlich kommt. Böen treiben ihr Spiel. Matschepampe erfordert sicheres Auftreten.
Laufen. Einfach laufen.
Die Seele, das Herz durchpusten lassen. Die Muskeln werden durch Gegenwind gestärkt.
Seltsam. Auch auf dem Rückweg meiner Runde hat der Wind, das himmlische, heute recht unartige Kind, keine Lust mich anzuschieben.
Laufen. Befreit durchatmen.
Den Widerstand umarmen. Geschmeidig sein. Damit tanzen.
Laufluschd.
Lebensluschd.
Pur. Rein. Unverfälscht.
Tanz mit Andrea
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