Inhaltlich ist eine Serie ein Reihen, Zusammenfügen. Auch im kollektiven Sinn kann der einzelne Aspekt für sich stehen, selbständig sein und ist gleichzeitig hineinverwoben ins Gesamte.
Eine Serie hat - im Gegensatz zur Endlosschleife - einen definierten Beginn und ist somit der Endlichkeit anheimgegeben.
Am 10. Januar musste ich, mit 1.451 erlaufenen Tagen und 18.946 notierten Kilometern, meine zweite Streak abreissen lassen. Kurz vor dem Umzug in die nächste Jahres-Etage.
Zwei Tage zuvor war ich übel auf die gesamte Rückseite meines Luxuskörperchens gestürzt, habe mir dabei Unerquickliches wie multiple Prellungen, Zerrungen, Stauchungen zugezogen. Glücklicherweise konnten Frakturen ausgeschlossen werden.
Einen Tag später "schwebphaste" ich noch eben so, jedoch allermühsamst. Am besagten 10. Januar musste ich nach wenigen Schritten an der Kirche mit heftigsten Schmerzen abbrechen.
Es ist auch bei guter Gesundheit, stark ausgeprägter intrinsischer Motivation sprich Laufluschd, Freude am Tun, von einer Sekunde auf die nächste möglich, dass wesentliche Inhalte der Tagesstruktur diese nimmer bereichern.
Fastgar untröstlich.
Vernünftig.
Traurig.
Vernünftig.
Weinend.
Vernünftig.
Geschmerzt.
Vernünftig.
Starr. Bewegungslos.
Vernünftig.
Leise weinend.
Vernünftig.
Ja, ich bin arg betrübt darüber, dass meine so herrliche Serie abgerissen ist. Und ich denke dankbar auf die vielen Laufschritte, auf die kostbaren Begegnungen.
Mit Beginn dieser zweiten Serie, die erste riss, nebenbei bemerkt, krankheitsbedingt an derselben Stelle, begann ich in "Elke´s Läufbüchle" damit, ab und an meine Erlebnisse beim Laufen loslassend festzuhalten.
Diese köstlich verrückten Läufles.
Alle nur möglichen Tages- und Nachtzeiten.
Jedes Wetter.
LSD-Trips.
Streakerhaltungsrunden, welche sich als - räusper "Datt sinn ma lockere fünf Killometer" - herausgestellt hatten.
Techniklos laufend. Falsch notiert, sehr viele, die meisten, überhaupt nicht notiert.
Einsame gedankenvolle Läufe.
Schwereloses stundenlanges Dahinhoppeln.
Meditierend. In mir ruhend.
Still, demütig, gedankenbefreit.
Gestärkt heimkommend.
Asthmatisches Abbrechen und abends erneut los laufen.
Energisch und kämpfend Grenzen sprengen.
Sachte und leichtfüßig in neue Dimensionen gelangen.
Üben für besondere Vorhaben.
Staunendes Erleben der zunehmenden physischen und psychischen Kräfte.
Den Rucksack packen und durch Wälder, Weinberge im Auf und Ab.
Sich selbst organisieren.
Verlaufen.
Noch weiter verlaufen.
Irgendwie wieder den Weg entwickeln.
Marathondistanz vor dem Dienst.
Das Erlaufen der Ultradistanz.
Laufen auf den verschiedensten Untergründen.
Auf Wegen. Querfeldein und durch´s Unterholz.
Mit Schuhen.
Barfüßig.
Teilnahmen an Veranstaltungen.
Laufen, einfach laufen.
Alleine.
Gemeinsam mit lieben Freunden.
Minimaldistanz bis 100Meilen.
Jedes Läufle ist ein Geschenk und ein Abenteuer.
Und beileibe niemals eine Selbstverständlichkeit. Jeder einzelne und noch so kleine Schritt verdient deutlichste Wertschätzung und Respekt
Wir sind zutiefst dankbar, dass ich bei diesem Sturz so bewahrt war. Es hätte schlimm, wirklich arg schlimm ausgehen können.
Unter diesem, sehr viel wesentlicheren, Blickwinkel erhält das Laufen, auch das tägliche Laufen eine viel, sehr viel
unbedeutendere Gewichtung.
Wie es mir heute geht? So, dass ich nicht laufen kann. Auch nicht mit der mir eigenen enormen Willenskraft. Die Schmerzen sind nicht unerheblich, aber nachlassend. Aufgrunddessen entbehren die Bewegungsabläufe der üblichen Leichtigkeit und Eleganz.
