Die letzten drei Monate: gar nicht und nur sehr, sehr wenig gelaufen. Zaghaft, beengt, meist aufgrund von Schmerzen das Läufle betrübt, zornig und auch Tränen wegschluckend abgebrochen.
Letzte Woche führte mich Frank über die Strecke des Eissendorfer Forstmarathons. Da hatte ich erstmals das Gefühl, dass ich wieder laufen lernen könnte. Und dann: wieder diese üblen, messerscharfen Schmerzen im Kreuzbein- Steißbeinbereich. Wieder einmal musste ich das Läufle abbrechen. Echt zum Heulen.
Die letzten drei Tage: schrecklich, einfach nur und sehr wörtlich zu nehmen, schrecklich. Angst- und Entsetzens-gepflastert sang André Heller mal. Ob es mir gelingen könnte, beim Öjendorfer Frühjahrsmarathon überhaupt eine einzige Runde, etwa drei Kilometer, zu laufen? Fraglich, wirklich fraglich. Na ja, das Fädle der neu begonnenen Streak weiter zu spinnen wäre schon fein.
So machen wir uns auf den Weg über Autobahnen, Schnellstraßen in den Ortsteil des Geschehens. Eine ruhige Parklandschaft mit einem netten See, welcher zahlreichen Wasservögeln Heimat bietet.
Alles wirkt gemütlich, sehr familiär. Kein sonst so übliches und unangenehmes Vorstartgebaren. Angenehm, sehr angenehm.
Susanne und Marc sind bereits vor Ort, Heike kreiselt schon.
Eine kurze Rede ( von welcher ich kein einziges Wort verstand ), ein gelassenes Loslaufen. Die Marathonis erlaufen sich eine Extraschleife, um die klassische Distanz zu erreichen, die Halbmarathonlaufer, Walker werden gleich auf die Piste um den See geschickt. Ich halte mich ganz hinten. Vorsichtig. Die Spannung und Angst fällt auf den ersten, unrunden, Schritten von mir ab. Ich hoppel alleine vor mich hin. Bereits vor der ersten Kilometermarke werde ich leichtfüßig von einem der über die Marathondistanz Startenden überholt. Kilometerschild zwei. Puh, die Streak kann für heute eingetragen werden. Kilometer drei. Auch langsam erhoppelt.
The long and winding road, die Runde ist vollständig erlaufen.
In der dritten Runde läuft Frank auf mich auf, erfreuliche gemeinsame Schritte, bevor er entschwebt.
Ein Halbmarathon ist schwerer zu laufen als ein Hundertmeiler. Es gibt sich wieder und ich rolle mich ein. Langsam, behutsam.
Ende der sechsten Runde habe ich Billy Joel auf den Ohren. Er wischt Fragen weg mit " You
can't go the distance with too much resistance" und motiviert mit seinem bezaubernden Liebeslied " Make you feel my love" mit der Zeile, welche mich die Müdigkeit beim Hanse 100 überwinden ließ ( I'd crawling down the avenue ).
Nun gut. Da schwenke ich nicht in den Zielkanal ein, sondern bescheide die engagierten Rundenzähler, dass ich versuchen will, noch eine Runde weiter zu hoppeln.
Regen, Graupelschauer, Sonne, Schneetreiben, herrlichster und frischer Wind. Hamburger Schönwetter im April.
Frank überholt mich erneut. Erscheint es mir nur so, oder hat er das Tempo tatsächlich noch deutlicher angezogen? Eine Freude, ihn dahinlaufen zu sehen- Leicht, kräftesparend, schwebfliegend.
Eine vergnügliche Runde mit Marc. An der wunderbaren Labestelle verlieren wir uns. Hier ist es einfach nötig, mich länger aufzuhalten. Köschdllich, köschdllich!!
Runde zehn ist beendet. Nun will ich es wissen: Sollte es tatsächlich möglich werden können, die Marathondistanz zu erlaufen? Ich weiss es nur, wenn ich es wage.
Es mag ein Novum im Öjendorfer Geschehen sein, die Anfangsschleife zum Schluss zu laufen, mit dem spontan entschiedenen Ziel Marathon. Damit ich mich dabei nicht verlaufe und auch die exakte Distanz einhalte ( mein Gefühl für Distanzen ist mittlerweile bekannt.... ) löst sich Frank von der wundersamen Labenstellenparty und begleitet mich.
Wir erzählen, lachen, freuen uns des Laufes, als sich plötzlich dieser fiese Messerstecherschmerz ins Geschehen drängt, das Vorhaben zunichte machen möchte.
Ganz superlangsam geht es weiter. Ich brauche eine Schwebephase! Gut. Geht doch. Das Zielzelt ist in Sicht und in diesem Moment gewinne ich Sicherheit: Ja, es wird tatsächllich gelingen.
Im Ziel freuen wir uns alle miteinander und aneinander. So kann es Ostern werden. Der Stein ist weg, die Dunkelheit und Schwere ist aufgelöst in Wärme, Licht, Strahlen.
Und nochmals Lothar-Gehrke-Gedächtnis-Marathon
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