Die Hölle des Nordens. Bekannt und gefürchtet unter Radrennfahrern ist die berüchtigte Flandern-Rundfahrt wegen ihrer vielen Kopfsteinpflaster-Passagen.
Wer als Läufer die Hölle des Nordens sucht, wird in Hamburg-Waltershof, auf der Dradenau, am Bubendey-Ufer, beim Leuchtfeuer Bubendey-Ufer Marathon fündig.
Ein Lauf aus der "Lost-Places-Marathon"-Serie vom Marathon-Quantitäts-Weltmeister Christian Hottas.
Und wer schon mal bei Christian Hottas gelaufen ist, weiß, dass die Strecken immer ein bisschen anders als die eines herkömmlichen Marathon-Getrappels sind.
Dieser 15-Runden-Marathon zeichnet sich durch zwei völlig unterschiedliche, höchst anspruchsvolle Laufhälften aus. Die eine Hälfte führt über sehr herausforderndes Kopfsteinpflaster. Hat man das hinter sich gebracht, dann folgt ein schier endlos erscheinender, laubbedeckter Single-Trail mit Steinen, Wurzeln und rutschigen Stellen.
Wahrlich nicht bestzeitengeeignet, aber wer will das auch schon von den Marathonsammlern, aus deren Reihen sich die Teilnehmer bei Christian immer wieder rekrutieren.
"Ich bin ja freiwillig hier." Gebetsmühlenartig muss ich mir immer wieder diesen Satz vorsagen. Denn der Blick aus dem Fenster, 15 Minuten vor dem Start, verheißt nur Ungutes. Die ersten zwei Stunden,so die Auswertung des Wetterradars, wird uns dieser heftige Regen wohl begleiten.
In die andere Richtung sieht es sogar eher schlechter aus.
Hafen heißt Industrie. Und wir laufen hier heute im Hafen.
Voll einladend, wa!!?
Auch der Blick auf´s Geläuf verspricht nix Gutes. Ich höre schon meinen Fersensporn applaudieren. Einzige Hoffnung sind die neuen Hokas, Hoffnung, dass sie meine Ferse gut abpolstern und ich nicht nach 30 Kilometern das Handtuch schmeißen muss.
Auf dem Weg zum Start.
Hinter dieser Flutschutzmauer sind Start, Ziel, VP und...
...der Veranstalter.
Zeit, mal ein bisschen Farbe ins Spiel zu bringen.
Fähranleger Bubendey-Ufer. Hier legt auch die bei Touristen so beliebte Fährlinie Landungsbrücken-Finkenwerder an.
Auch elbabwärts alles grau in grau.
Zwei von sechs Teilnehmern. Rechts im Bild, Tammo Seemann (passender Familienname mit viel Bezug zum Lauf) feiert hier heute seinen Marathon-Geburtstag. Für unsere nicht so eingeweihten Leser. Marathon-Geburtstag feiert man im Alter von 42 Jahren und 195 Tagen.
VP-Einrichtung.
Einziger, kleiner negativer Kritikpunkt, für´s Wetter kann ja keiner was, aber die VP-Austattung hätte dann doch noch ordentlich Potenzial nach oben.
Um 10 Uhr, als Startzeichen, blendet Christian uns mit dem Blitz seiner Kamera.
Die ersten und endgültigen Positionskämpfe werden schon auf den ersten 800 Auftaktmetern ausgefochten.
Darf ich vorstellen? Die Strecke.
Auf den ersten Metern kann man der Hölle noch ausweichen.
Und immer die Durchlaufhöhe beachten.
Ab hier wartet dann die Hölle.
Voila.
Betriebsgelände der Fa. Bominflot.
Blick auf die Containerterminals im Waltershofer Hafen.
Bei jeder Runde habe ich überlegt, was das Dingens hier wohl mal für eine Funktion hatte. Ich bin zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Seeschlagsichere Fenster, wie auf einem Schiff, rund wie ein Leuchtturm. Vielleicht mal ein Geschützstand auf nem Kriegsschiff? Auf jeden Fall, ein Schlag Farbe täte dem Dingens mal ganz gut.
So könnte es dann aussehen.
Die lange Gerade der Hölle Tankweg.
10-fach gezoomt verliert sie aber ein wenig ihres Schreckens.
Die Containerbrücken der Fa. Eurogate am Predöhlkai.
Es war einmal. Die Dupeg, ehemals ansässig am Petroleumhafen ist nach Harburg umgezogen (worden).
Hier musste einer seinen Sem(f) dazugeben.
Auch ein Leuchtfeuer, Oberfeuer einer Richtfeuerlinie, aber nicht das dem Marathon namensgebende Leuchtfeuer.
2,5 Höhenmeter pro Runde wurden auch geboten.
Oben angekommen ein schönes Plätzchen zum Ausruhen und Schauen.
Wir schauen in den Petroleumhafen, einem mittlerweile entwidmeten Tankschiffhafen, der demnächst zugeschüttet wird. Heutige Häfen brauchen nicht mehr so viel Wasser, das Hinterland, als Containerabstellfläche ist wichtiger geworden.
Blick in den Waltershofer Hafen, rechts Eurogate und links am Burchardkai ist die Fa. HHLA ansässig. Ganz hinten die Köhle (Köhlbrandbrücke).
Ein Containerriese der neuesten Generation der französischen Reederei CMA CGM.
Rechts ein Schiff der italinienischen Reederei MSC (Mediteranean Shipping Company). Von deren Seeleuten nur Midnight Shipping Company genannt, weil sie meinen, dass sie meistens um Mitternacht aus den Häfen auslaufen müssen. Im Hamburger Hafen dagegen hört man oft den Ausruck Mafia Shipping Company.
Wenn man genug ausgeruht und geschaut hat wartet der Singletrail zwischen Flutschutzmauer und Wasser.
Zunächst entlang des Parkhafens mit Blick auf den Athabaskakai und einem Schiff der taiwanesischen Reederei Evergreen.
Dann läuft man parallel zur Elbe am Bubendey-Ufer.
Auf der gegenüberliegenden Seite Elbstrand....
...und ein paar Elendsquartiere.
Und da isset endlich. Das Leuchtfeuer vom Bubendey-Ufer.
Netterweise hatte man das Tor aufgelassen, sonst wären noch weitere Höhenmeter dazugekommen.
Wir nähern uns dem Ende der Runde.
Das Ganze habe ich 15 mal gesehen und dann fertig.
Ein schöner Lauf, empfehlenswert für alle, die sich an Hafen und Schiffen nicht sattsehen können.
Meine Hokas haben ihre erste harte Bewährungsprobe ganz gut gemeistert. Der Schmerz kam zwar, aber erst später als gewohnt, so dass ich lediglich auf den letzten zwei Runden die Kopfsteinpflaster-Hölle von Hamburg-Waltershof gehend statt laufend bewältigen musste.